Biokunststoffe verfügen über Potenzial zu wirklicher Nachhaltigkeit

Veröffentlicht am: 13.11.2013

Mehr als 350 Teilnehmer von 215 Firmen informierten sich auf der 8. European Bioplastics Konferenz am 10. und 11. Dezember 2013 in Berlin über aktuelle Diskussionen, Entwicklungen und den Fortschritt der Biokunststoffbranche. Das europäische Veranstaltungsformat der Biokunststoffindustrie präsentierte sich damit abermals als ideale Plattform zum Vernetzen, zum Wissensaustausch und zur Anbahnung von Geschäftskontakten. Die Herkunft der Besucher setzte sich dieses Jahr wie folgt zusammen: rund 86 Prozent der Teilnehmer kamen aus Europa, 8 Prozent reisten aus Nord- und Südamerika an und ein Großteil der verbleibenden 6 Prozent stammte aus Asien.

 

„Biokunststoffe aus Biomasse, die als Nährstoffe wieder in die Biosphäre eingegliedert oder zusammen mit konventionellen Kunststoffen recycelt werden, verfügen eindeutig über das Potential eines wahrhaft nachhaltigen Materials. Und sie könnten fossile Rohstoffe sparen“, stellte EU Kommissar Janez Potočnik in seiner Eröffnungsrede der 8. European Bioplastics Konferenz am 10. und 11. Dezember in Berlin fest. Über eine Videobotschaft betonte er die wichtige Rolle, die Biokunststoffe in Europas Wandel hin zu einer biobasierten Kreislaufwirtschaft spielen.

Potočnik forderte die Biokunststoffbranche dazu auf „weiterhin ihre Arbeit voranzutreiben und Biokunststoffe zu wahrhaft nachhaltigen Materialien, ohne Auswirkung auf Lebensmittelproduktion und Biodiversität, zu gestalten“. Darüber hinaus wies er darauf hin, dass auch künftig ein kontinuierlicher und transparenter Informationsfluss zu Produkten und Prozessen notwendig wäre, um letzte verbleibende Unklarheiten auszuräumen.

Direkt an diese Überlegungen zur Nachhaltigkeit anknüpfend, ging eine Podiumsdiskussion am zweiten Konferenztag der Frage „Wie bewertet man die Nachhaltigkeit von Biokunststoffen fair?“ nach. Die Diskussion wurde von Professor Matthias Finkbeiner, Technische Universität Berlin, mit einem Beitrag zum Thema „Perspektiven der Ökobilanzierung bei Biokunststoffen“ eingeleitet. „Ökobilanzierung ist momentan das beste verfügbare Verfahren, um die Umweltwirkung von Biokunststoffen so fakten-basiert wie möglich zu prüfen“, stellte Finkbeiner fest. Den „Product Environmental Footprint (PEF)“ Ansatz der Europäischen Kommission bezeichnete er als „ökobilanziellen Overkill“, der Scheinlösungen einführe, um Vergleichbarkeit zu erreichen. Die Podiumsdiskussion fokussierte im Nachgang auf die Notwendigkeit, komplexe Nachhaltigkeitsprüfungen zu vereinfachen, valide, verfügbare Methoden einzusetzen und dem Konsumenten Werkzeuge in die Hand zu geben, die die Umweltwirkung des jeweiligen Produkts in seiner Hand verständlich vermitteln.

Ein weiterer Höhepunkt der Konferenz war die Veröffentlichung der jährlichen Marktzahlen durch European Bioplastics und das Institut für Biokunststoffe und Bioverbundwerkstoffe (IfBB - Hochschule Hannover). Die aktuellen Daten bestätigten das beständige und überdurchschnittliche Branchenwachstum – die Produktionskapazitäten werden voraussichtlich zwischen 2012 bis 2017 von zirka 1,4 Millionen Tonnen auf über 6 Millionen Tonnen steigen. Dabei legen alle Materialtypen des Biokunststoffbereiches zu, wobei das Feld von biobasierten, nicht biologisch-abbaubaren Biokunststoffen wie biobasiertem PE oder biobasiertem PET angeführt wird. Die Sparte der biologisch-abbaubaren Kunststoffe, darunter PLA, biologisch-abbaubare Polyester und Stärke-Blends, zeigt ebenfalls stolze Wachstumsraten: um etwa 60 Prozent werden die Produktionskapazitäten voraussichtlich bis 2017 steigen.

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Kommentar

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