Dem Plastiksackerl geht es an den Kragen

Am 5. Dezember 2018 hat das von der Bundesregierung angekündigte Totalverbot von Plastiksackerln ab 2020 den Ministerrat passiert. „Wir setzen damit einen Meilenstein im Umweltschutz“, so die zuständige Nachhaltigkeitsministerin Elisabeth Köstinger. „Wir gehen mit diesem Verbot auch deutlich weiter als die bestehende EU-Richtlinie es verlangt hätte. Österreich ist das dritte Land in der EU, das ein Totalverbot umsetzen wird.“ Mehr als 400 Millionen Plastiksackerl sind derzeit allein über den Lebensmittelhandel pro Jahr im Umlauf. Das verursacht 5.000 bis 7.000 Tonnen Plastikmüll pro Jahr. „Es gibt genügend gute Alternativen, wir brauchen keine Plastiksackerl mehr in Österreich“, so Köstinger. Stoffsackerl wären für den Einkauf die beste Alternative. Auch Papiersackerl würden zumindest nach der Nutzung besser verrotten oder könnten recycelt werden. Mit dem Beschluss im Ministerrat ist der erste formelle Schritt getan. Im Jänner möchte Köstinger die Vertreter des Handels zu einem runden Tisch laden, um den Übergang bis zum Verbot zu besprechen. Als Plastiksackerl bzw. Tragetasche gelten alle Produkte, die einen Henkel oder ein Griffloch haben.
Ergänzend zum Plastiksackerlverbot plant die Bundesregierung eine Reduktion von Plastikverpackungen in der Höhe von 20 bis 25 Prozent. „Damit wollen wir weitere 60.000 Tonnen Plastik vermeiden“, so Köstinger. Hier darf man auf die Formulierung der konkreten Maßnahmen gespannt sein. Ebenso soll ab 2020 ein Verbot für die Beimengung von Mikroplastik in Kosmetik- oder Reinigungsprodukten kommen, sofern es davor keine europäische Lösung dafür gibt. Auf EU-Ebene wird derzeit unter österreichischem Vorsitz über die „Single Use Plastics“-Richtlinie verhandelt. Durch diese Richtlinie sollen weitere Wegwerfartikel aus Plastik, wie etwa Becher, Plastikbesteck, Wattestäbchen usw. verboten werden.
Und genau hier setzen die Mahner an. Quasi zeitgleich mit der Bekanntgabe der Maßnahmen seitens der Ministerin übergaben Aktivisten von Global 2000 gemeinsam mit den zivilgesellschaftlichen Organisationen #aufstehn und SumOfUs knappe 70.000 Unterschriften an die EU-Ratsvorsitzende. Sie haben sie damit aufgefordert dafür zu sorgen, dass die EU ein starkes Gesetz verabschiedet, das Wegwerfplastik wirklich reduziert und Konzerne dazu verpflichtet, für ihre Plastikverschmutzung zu zahlen. „Frau Ministerin Köstinger, machen Sie Ernst mit dem Kampf gegen Plastikmüll und sorgen Sie in den nächsten zwei Wochen für eine tatsächlich starke EU-Richtlinie, die nicht an jeder Ecke aufgeweicht wird! Denn eines ist klar: Die Umsetzung der Richtlinie wird nur so gut sein, wie die Richtlinie selbst. Das gilt für ganz Europa und natürlich auch für Österreich“, gibt Lisa Kernegger von Global 2000 zu bedenken.
Das Thema Plastik wird derzeit intensiv behandelt, diskutiert und in Form von Verboten geahndet. Es ist natürlich gut, wenn alle EU-Länder sich auf entsprechende Vermeidungspakete einigen und diese auch umsetzen. Wenn dies geschafft ist, so wäre es an der Zeit, wenn die EU dann eine gemeinsame Sprache spricht und mit jenen Ländern kommuniziert und diese berät, die für die markante Verschmutzung der Weltmeere verantwortlich sind. Wird die EU dazu in der Lage sein?

Herzlichst

Michael Seidl

m.seidl@europeanmediagroup.at

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Dem Plastiksackerl geht es an den Kragen

Am 5. Dezember 2018 hat das von der Bundesregierung angekündigte Totalverbot von Plastiksackerln ab 2020 den Ministerrat passiert. „Wir setzen damit einen Meilenstein im Umweltschutz“, so die zuständige Nachhaltigkeitsministerin Elisabeth Köstinger.