PROPAK-Industrie: die Preise steigen und zu wenig Fachpersonal

Veröffentlicht am: 16.11.2021

Die Papier und Karton verarbeitende Industrie ist ein wichtiger Indikator für die gesamtwirtschaftliche Konjunkturentwicklung. „Wir hängen ja direkt an den Konsumgütern“, sagt PROPAK-Obmann Georg Dieter Fischer.

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Im Jahr Zwei der Pandemie hat die Branche mit ihren 85 Betrieben im ersten Halbjahr 2021 wertmäßig ein Plus von 4,4 Prozent erzielt, ein niedriger Wert im Vergleich zur Gesamtindustrie mit 29,5 Prozent. Damit liegt die PROPAK-Industrie leicht über dem Niveau vor der Pandemie.
Doch trotz guter Auftragslage ist die Situation bei den Unternehmen derzeit angespannt. „Die Lieferketten haben sich noch nicht vom Lockdown erholt; sie funktionieren noch nicht wie früher. Das führt zu Zeitverzögerungen,“ so Fischer. Gleichzeitig steigt aufgrund des Online-Handels die Nachfrage nach faserbasierten Verpackungen. Nicht zuletzt wegen der zunehmenden Bedeutung der Nachhaltigkeit sind Produkte aus Papier und Karton gefragt. Das bringt die Betriebe unter enormen Zeit- und Kostendruck.
Trotzdem haben die Unternehmen seit Beginn der Pandemie ihre Kunden verlässlich versorgt. „So paradox es klingt: Die Auftragsbücher sind vielfach voll, aber gleichzeitig kämpfen die Betriebe um die Wertschöpfung. Preissteigerungen, nicht nur bei Verpackungen, sind eine zwingende Konsequenz aus dieser Entwicklung.“ In welcher Höhe und in welchem Zeitraum, hängt laut Fischer von den individuellen Verträgen ab.
Die Rohmaterialknappheit treibt die Preise in die Höhe. Seit Mitte des letzten Jahres gab es bereits eine Serie von Preissteigerungen für alle Sorten von Rohpapieren und Karton – mit weiteren Kostensteigerungen sei zu rechnen. „Bei Rohpapieren für Transportverpackungen kam es zu Preissprüngen von bis zu historischen 70 Prozent. Auch die Transport- und Energiekosten sind in den letzten drei Monaten massiv gestiegen", stellt der PROPAK-Obmann fest. Dieser fundamentale Anstieg der Kosten betrifft nicht nur die Industrie in Österreich, sondern ist weltweit zu beobachten. „Das macht uns ein bisschen Sorge; mit einer Entspannung ist erst im Laufe des nächsten Jahres zu rechnen“, so Fischer.
Nicht minder herausfordernd ist die Situation bei den Beschäftigten. Die 85 Betriebe der Branche beschäftigen 8.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und produzieren jährlich 1,2 Millionen Tonnen Produkte im Wert von 2,4 Milliarden Euro. „Es fehlen uns teilweise gut ausgebildete Fachkräfte und auch Lehrlinge sind schwierig zu finden. Daher setzt man verstärkt auf eigene Aus-/Weiterbildung, vom Verband werden entsprechende Programme als Teil einer Employer Branding Strategie für die Mitgliedsbetriebe angeboten,“ so Fischer.
Produkte aus Papier und Karton sind ein klares Bekenntnis zur Nachhaltigkeit und werden von Handel und Konsumenten immer mehr nachgefragt. „Der Anteil an recyceltem Material liegt in unsere Branche bei 75 Prozent, die Sammel- und Verwertungsquote bei Verpackungen aus Papier und Karton sogar bei 90 Prozent. „Wir sind damit bereits heute klar über dem EU-Ziel von 75 Prozent bis zum Jahr 2025“, so Obmann Fischer abschließend.

Kommentar

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