Virgin Plastic noch umweltschädlicher als bisher angenommen?

Veröffentlicht am: 09.03.2022

Bei Umweltbelastungen durch Plastik hat man direkt die Vermüllung unserer Meere und Landschaften vor Augen. Doch neben dieser sichtbaren Verschmutzung sind auch die nicht auf den ersten Blick sichtbaren Belastungen groß.

Im Jahr 2015 war die Kunststoffindustrie für 1,6 Milliarden Tonnen der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich, wobei der größte Teil dieser Emissionen (rund 96 Prozent) laut den Forschern bereits bei der Produktion von Kunststoff entsteht. Das ist das erschreckende Ergebnis einer Untersuchung der ETH Zürich. Die Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass bei der Herstellung doppelt so viel fossile Energie verbrannt wird, wie als Rohstoff im Plastik enthalten ist. Die Ergebnisse sind insofern bemerkenswert, als dass die Forschung sich bislang vorwiegend auf jene Umweltbelastungen konzentriert hat, die bei der Entsorgung von Plastik entstehen. Und diese Schäden sind bereits enorm: Die in Deutschland und einigen anderen europäischen Ländern vorrangige Verbrennung von Plastikverpackungen erzeugt aus jedem Gramm Plastik im Schnitt drei Gramm CO2 und stellt überdies eine Verschwendung dieses wertvollen Rohstoffs dar. „Dass die Herstellung von neuem Plastik noch viel mehr CO2-Emissionen verursacht als die Verbrennung, macht den CO2-Fußabdruck von Virgin Plastic noch viel schlechter, als bislang befürchtet“, warnt Ingo Frank, Geschäftsführer von Werner & Mertz Hallein. Ausschlaggebend für die enormen Energiemengen bei der Herstellung sind laut der Untersuchung vor allem der stetig steigende Einsatz von Kohle-Strom in der Produktion. Das gilt primär für die boomende Plastikwirtschaft in Schwellenländern wie China, Indien und Indonesien, wo die benötigte Energie für Neuplastik hauptsächlich aus klimaschädlichen Kohlekraftwerken stammt. Viele EU-Länder/westliche Industrieländer haben – so die Untersuchung – die energieintensive Herstellung von Kunststoff in diese Länder ausgelagert.

Kreislaufwirtschaft von Plastik ist aktiver Klimaschutz
Der vermehrte Einsatz erneuerbarer Energien würde helfen, den CO2-Fußabdruck bei der Herstellung von Plastik zu verringern. „Noch viel effektiver wäre es aber, generell die Herstellung von neuem Plastik durch eine Führung im Kreislauf zu ersetzen. Hochwertiges Plastikrecycling trägt damit zu aktivem Klimaschutz bei“, betont Frank. Doch nach wie vor scheitert die Umstellung auf Recyclat bei vielen Herstellern vor allem am höheren Preis im Vergleich zu neuem Plastik aus frischem Rohöl. Das Familienunternehmen Werner & Mertz ist als eines der wenigen dazu bereit, diese vorübergehenden Mehrkosten zu tragen. Das mittelständische Unternehmen hat alle seine transparenten PET-Flaschen der Marke Frosch auf 100 Prozent Altplastik umgestellt. Dabei nutzt das Unternehmen nicht nur Post-Consumer-Material aus der europäischen Getränkeflaschensammlung (Bottle to Bottle), sondern seit 2014 – als große Ausnahme im Markt – auch einen immer höheren Anteil recyceltes Material aus der europäischen haushaltsnahen Sammlung wie dem Gelben Sack (mittlerweile 50 Prozent). Inzwischen wurden bereits über 570 Millionen dieser Flaschen dem Kreislauf bereitgestellt – Weltrekord! „Die Untersuchung macht einmal mehr deutlich, was wir im Prinzip schon seit Jahren wissen: Die Kreislaufführung von Plastik ist unumgänglich, um Klima und Umwelt zu schützen. Und wir zeigen, dass es möglich ist. Nun sind auch andere Hersteller gefordert, unserem Beispiel zu folgen. Dabei sehen wir die Politik in der Pflicht, Plastikrecycling durch gezielte Anreize zu fördern, sodass es auch aus finanzieller Sicht für Unternehmen attraktiver wird, Recyclat einzusetzen“, so Werner & Mertz-Inhaber Reinhard Schneider. Link zur Untersuchung: Growing environmental footprint of plastics driven by coal combustion | Nature Sustainability

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Kommentar

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