Propak Industrie blickt voraus

Veröffentlicht am: 15.06.2021

Die Hersteller von Produkten aus Papier und Karton sind stabil durch das Pandemie-Jahr 2020 gekommen und bereit für den Aufschwung. Der Fokus liegt weiter auf Kreativität, Nachhaltigkeit und Innovation.

Ein krisenfester Industriezweig zieht Bilanz. Während die Wirtschaft 2020 in Österreich aufgrund von Covid-19 einen massiven Einbruch (minus 6,6 Prozent) erlitt, lag die Propak Industrie deutlich über dem BIP. „Mit einem leichten Minus von 0,2 Prozent beim Wert (2,4 Milliarden Euro) beziehungsweise Plus von 1,6 Prozent bei der Menge (1,2 Millionen Tonnen) steuerte die Branche robust durch das erste Pandemie-Jahr“, sagt Obmann des Verbandes Georg-Dieter Fischer. „Die Gründe dafür sind vielfältig: die hohe Kreativität unserer Betriebe, die Relevanz am Point of Sale und die Nachhaltigkeit unserer Produkte und Servicelösungen.“ Dazu gehört wohl auch der Aufschwung durch den E-Commerce. Online-Shopping ist ein ungebrochen wachsender Trend und Treiber, insbesondere im Verpackungssektor. „Hier wird heute viel mehr verlangt, als ein reines Transportmedium. Kunden erwarten.
Mit 78 Prozent war auch der Export wieder verantwortlich für die Propak-Konjunktur. Die Unternehmen erwirtschaften drei von vier Euro im Ausland. Insgesamt hat die Branche 792.000 Tonnen (plus 0,3 Prozent) an Produkten aus Papier und Karton im Wert von 1,85 Milliarden Euro (minus 2,1 Prozent) exportiert. Dem stand eine Importmenge von 546.000 Tonnen (minus 3,0 Prozent) im Wert von 1,24 Milliarden Euro (minus 7,7 Prozent) gegenüber.
Die volkswirtschaftliche Analyse für das Jahr 2020 zeigt sehr deutlich, dass globale Wirtschaftskrisen kleine, hochvernetzte Volkswirtschaften, wie Österreich, besonders schmerzlich treffen. „Das Wegbrechen internationaler Lieferketten sowie umfangreiche Reisebeschränkungen führten zu teilweise dramatischen Rückgängen der Exporterlöse“, sagt Doris Ritzberger-Grünwald, Direktorin der Hauptabteilung Volkswirtschaft der OeNB. Sie bestätigt aber auch: „Die Produktion von Waren aus Papier und Karton hat eine vergleichsweise gute Entwicklung genommen. Auch die Beschäftigtensituation ist in der Propak-Industrie robuster als jene der Gesamtindustrie.“
„Produkte aus Papier und Karton sind ein klares Bekenntnis zur Nachhaltigkeit“, sagt Andreas Blaschke, Vorstand Mayr-Melnhof Packaging International. „Der Anteil an Recyclingmaterial liegt durchschnittlich bei 75 Prozent, die Recyclingquote von Verpackungen aus Papier und Karton in Österreich sogar bei 90 Prozent und damit bereits heute klar über dem EU-Ziel von 75 Prozent bis zum Jahr 2025. Die Branche blickt jedoch mit Sorge auf die kommende Novelle des Abfallwirtschaftsgesetzes (AWG). „Neben einem massiven Bürokratieaufbau drohen hier gewaltige Eingriffe in Grundfreiheiten, nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für die Konsumenten,“ warnt Blaschke. „Besonders besorgniserregend sind unreflektierte Förderungen von Mehrweg zu Lasten unserer Kreislaufverpackungen. Wir fordern den Gesetzgeber auf, den unverständlichen einseitigen Zugang in der zum Kreislaufwirtschaftspaket gehörigen Novellen zu überdenken und nicht eine Kreislaufwirtschaft zu diskriminieren. “
Die Mehrheit der Unternehmen rechnet laut Propak Umfrage für 2021 mit einem grundsätzlich soliden Wachstum, das aber im Vergleich zur Gesamtkonjunktur potenziell flacher erwartet wird - wie die Zyklen in der Vergangenheit gezeigt haben. Allerdings sind die Firmen mit hohem Druck auf die Wertschöpfung durch eine enorme Kosteninflation - nicht nur bei den Rohstoffen - konfrontiert. Obmann Fischer dazu: „Die Zeiten sind herausfordernd, aber die Propak Industrie ist eine nachhaltige und innovative Branche und bereit für den Aufschwung. Voraussetzung ist und bleibt die rasche Durchimpfung und Bekämpfung der Pandemie. Je rascher die Corona-Maßnahmen aufgehoben werden können und die richtigen Weichen gestellt sind, desto kräftiger wird der Aufschwung ausfallen.“

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Kommentar

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