Wellpappe-Industrie: Solides Wachstum, jedoch extremer Kostendruck

Veröffentlicht am: 03.05.2022

Seit zwei Jahren ist die heimische Wellpappe-Industrie im Dauereinsatz: Erst die enorme Nachfrage nach Wellpappe-Verpackungen während der Pandemie, dann extreme Preissprünge bei Rohpapier, und aktuell belastet die Lage am Energie- und Rohstoffmarkt die Branche erneut.

 

Stephan Kaar, Sprecher des Forum Wellpappe Austria meint dazu: „Diese Lage fordert all unsere Kräfte. Die Pandemiepläne haben sich bewährt und helfen uns auch in der derzeitigen Situation. Wir haben unsere Lieferketten bestmöglich abgesichert.“ Die Nachfrage nach Verpackungen aus Wellpappe ist ungebrochen. Das zeigen auch die aktuellen Zahlen für die ersten drei Monate 2022: Beim mengenmäßigen Absatz in Millionen Quadratmeter verzeichneten die fünf Mitgliedsunternehmen des Forum Wellpappe Austria ein solides Wachstum von plus 3,9 Prozent. In absoluten Zahlen ist das eine Fläche von 270 Millionen Quadratmetern. In Tonnen ist eine Steigerung von 4,5 Prozent zu verzeichnen (129.600 Tonnen).

Nummer Eins beim Transport
„Ohne Verpackungen aus Wellpappe wäre der moderne Warenverkehr heute nicht machbar“, meint Kaar. „Spätestens seit der Corona-Pandemie hat sich gezeigt, dass wir systemrelevant sind.“ Über zwei Drittel aller in Österreich transportierten Waren werden in Wellpappe verpackt. „Das macht die Wellpappe zur Transportverpackung Nummer Eins, so Kaar. Einen wesentlichen Anteil daran hat die gestiegene Nachfrage aus der Lebensmittel-, Getränke- und Konsumgüterindustrie (54 Prozent), gefolgt von Möbel, Elektronikteilen, Maschinen und Fahrzeugen (19 Prozent), sowie Logistik und Online-Handel (12 Prozent).

Produktion massiv unter Druck
Anhaltende Probleme mit den Lieferketten und Preissprünge bei Rohmaterialien bringen die Betriebe derzeit massiv unter Druck. So kam es seit Anfang des Jahres 2021 bei Rohpapier – dem wichtigsten Rohstoff für Wellpappe – zu Preissprüngen von bis zu 70 Prozent. Dazu kommen die extrem stark gestiegenen Preise für Strom, Gas, Logistik, Stärke, Farben und Paletten aufgrund der aktuell angespannten Lage am internationalen Energiemarkt. „Das verschärft den Preisdruck enorm. Wir sind gefordert wie nie zuvor, um die Versorgung mit Wellpappe-Verpackungen sicherzustellen“ sagt Stephan Kaar. Aufgrund der laufenden Preiserhöhungen bei Rohstoffen gab es auch Anpassungen beim Wellpappe-Preis. Derzeit ist noch keine Besserung in Sicht“, so Kaar.

Kreislaufwunder Wellpappe
Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit sind bei Konsumenten und Unternehmen deutlich angekommen und trotz Pandemie immens präsent. Das wachsende Umweltbewusstsein führt zu einer verstärkten Nachfrage nach Wellpappe. Recyclingpapier, Bruch- und Durchforstungsholz sind die wichtigsten Rohstoffe für Wellpappe-Rohpapiere. „Wer sich für Verpackungen aus nachwachsenden Rohstoffen entscheidet, schont die fossilen Ressourcen unserer Erde und leistet einen Beitrag zum Klimaschutz“, so Stephan Kaar. Verpackungen aus Wellpappe sind zu 100 Prozent faserbasiert und somit vollständig recycelbar. Das heißt, die Faser bleibt bis zu 25 Mal im Kreislauf – wie jüngst eine Studie der TU Graz bestätigt hat – und kann daher mehrmals zu neuer Wellpappe weiterverarbeitet werden. Auch im Onlinehandel spielt Wellpappe ihre Stärken aus. Laut einer Studie des deutschen bifa Umweltinstituts ist die CO2-Bilanz von Versandverpackungen aus Wellpappe besser als Mehrweg-Boxen aus Kunststoff.

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