Packaging Dialog 2025: Europa soll unabhängiger werden

Veröffentlicht am: 19.12.2025

Der Packaging Dialog 2025 widmete sich in diesem Jahr einem Thema, das unsere Zukunft bestimmt und die unserer Unternehmen: Sigrid Stagl, Sozioökonomin und Wissenschaftlerin des Jahres 2024, entwarf die „Transformation zu einer resilienten, nachhaltigen Wirtschaft“. 

 

Anschließend diskutierte man unter dem Motto „Die Zukunft des Erfolgs ist ökologisch“ über Chancen und Möglichkeiten. Die Preisverleihung zum Carton Austria Award 2025 sowie zum PROPAK Austria Pro Carton Young Designers Award wertete den Event zusätzlich auf. Horst Bittermann, Director General von Pro Carton, eröffnete den Abend gemeinsam mit Martin Widermann, Geschäftsführer von PROPAK Austria und gab danach einen Überblick über die Karton- und Faltschachtelindustrie. Faktum ist, die Industrie hat ein tolles Produkt, Ausgangsmaterial und Recycling sind die besten unter allen Produkten. 98 Prozent des verarbeiteten Holzes kommen aus Europa, der europäische Wald wächst täglich um 1.500 Fußballfelder und atmet 20 Prozent des CO2-Ausstoßes der EU ein. Das ist weit mehr, als der Amazonas-Urwald aufnimmt, und zwar deshalb, weil die Wälder in Europa nachhaltig bewirtschaftet werden. Mit einer Recyclingrate von 86,6 Prozent liegen Papier und Karton mit großem Abstand an der Spitze vor allen anderen Materialien. Das Ziel ist 90 Prozent bis 2030. 52 Millionen Tonnen Papier und Karton werden jährlich gesammelt und die Fasern können praktisch ewig lang recycelt werden. Bei faserbasierten Verpackungen liegt der Recycling Content bereits bei 76 Prozent. Europa soll unabhängiger werden. Die Voraussetzungen dafür sind gut, denn die Industrie hat die Maschinen, die Rohstoffe, die Produzenten, die Kunden, die Kunden der Kunden und das Recycling fest in unserer Hand, der europäischen Hand. Der größte Vorteil ist die gut ausgebildete Workforce. Während in China weniger als 20 Prozent einen Berufsabschluss haben und in den USA nur rund 30 Prozent, sind es in Europa 70 Prozent mit einem Berufsabschluss. Europa hat also die beste Workforce der Welt, dies soll genutzt werden.

Transformation zu einer resilienten, nachhaltigen Wirtschaft
Es gibt zahlreiche schlechte Nachrichten aus der Klima- und Umweltforschung. „Wir sind in vielen Bereichen dabei, den Planeten auszuplündern. Die biophysische Buchhaltung über den Verbrauch globaler Ressourcen ist negativ. Die gute Nachricht: Wir können die Probleme managen, aber wir müssen es klug angehen“, so Univ.-Prof. Dr. Sigrid Stagl, Sozioökonomin und Wissenschaftlerin des Jahres 2024. Der hohe Ressourcenverbrauch gründet auf einer erheblichen Ineffizienz, die langfristig nicht tragbar ist und unsere Wettbewerbsfähigkeit gefährdet. Unsere Wirtschaft muss auf den biophysischen Grundlagen aufbauen. Denn nur wenn die Natur gut funktioniert, kann auch unsere Wirtschaft funktionieren und derzeit geht es der Natur nicht gut. In insgesamt sieben Bereichen wirtschaften wir nicht stabil, was mit sehr hohen Risiken verbunden ist. Die größte Sorge gilt nicht etwa dem Klimawandel, sondern der Biodiversität, der Übersäuerung der Ozeane und dem Mikroplastik. Hoffnung macht, dass es uns gelungen ist, das Ozonloch zu reduzieren. Das Ozonproblem wird bis 2060 repariert sein, und zwar durch technische Maßnahmen wie auch durch Reduktion. Was den Klimawandel betrifft, so müssen wir jetzt handeln. Eine Reduktion der Klimagase wäre sehr wichtig, denn wenn wir erst in Zukunft das CO2 aus der Luft zurückholen müssen, wird das sehr teuer. Unsere Marktregeln müssen in Einklang mit planetarischen Grenzen gebracht werden. Derzeit besagen die Marktregeln, dass Bioprodukte teuer und industrielle Produkte günstiger sind. Doch in Wirklichkeit ist Bio volkswirtschaftlich viel billiger. Es gibt also externe Effekte, die nicht im Markt verrechnet werden und diese müssen wir mit einbeziehen. Das bedeutet auch: Eine Kreislaufwirtschaft wird echte Kosten sparen.

Es geht darum, die Regeln zu ändern
Märkte sind nicht, wie viele glauben, einfach Optimierungsmaschinen. Ein funktionierender Markt ist nicht naturgegeben, sondern ein historisch gewachsenes System, das durch Gesetze beeinflusst wird. Märkte sind Regeln. Sie bestehen aus sozialen Normen gesetzlichen Vorgaben und Konventionen. Es geht also darum, die Regeln zu ändern! Eine solche Transformation gelingt durch die Veränderung einer Regel nach der anderen, in den gesetzlichen Vorschriften, im Finanzsystem und so weiter. Zur Innovation muss die Exnovation kommen: In manchen Bereichen dürfen wir nicht immer mehr machen, sondern wir müssen manche Systeme geordnet zurückbauen. Zukünftig sollen wir ein Ökosystem gestalten, in dem nichts Abfall ist. Wir müssen die biologischen Grenzen und die ökologische Tragfähigkeit berücksichtigen. Heute ignorieren die Märkte diese Grenzen. Noch haben wir die Wahl, die Transitionsrisiken zu steuern und uns für einen geordneten Übergang zu entscheiden. Kommt es zu einem ungeordneten Übergang, weil uns andere Krisen wichtiger erscheinen, entstehen große zusätzliche volkswirtschaftliche Kosten. Wir müssen also die physischen Risiken und die Transitionsrisiken reduzieren! Natürlich kostet das etwas, aber bei weitem nicht so viel, wie bei einem hohen Risiko.
Um die Klima-Investitionslücke zu füllen, werden weltweit etwa 9 Billionen Dollar benötigt. Zum Vergleich: COVID hat 2020 etwa 12 Billionen Dollar gekostet. Und noch immer subventionieren wir fossile Energieträger weltweit mit 7 Billionen Dollar! Das ist schon ein wenig pervers. Insgesamt kann man erkennen, dass es teuer, aber ökonomisch machbar wäre, die finanziellen Mittel in Green Finance umzudirigieren. Es ist genug Geld im Umlauf, um die ökologische Transition zu schaffen. Österreich ist dabei gut unterwegs, aber noch nicht gut genug. Wir haben drei Jahre in Folge unsere Emissionen um etwa 6 Prozent reduziert, ein Drittel davon aufgrund der Rezession. Rechnerisch bräuchten wir 8 Prozent pro Jahr, um unser Ziel der Neutralität 2040 zu erreichen. Dafür müssten wir 1,3 bis 2,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts investieren, das wären 6,4 bis 11,2 Milliarden Euro. Allein die Abschaffung klimaschädlicher Subventionen brächte 5 Milliarden Euro.

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Kommentar

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