Bei der PROPAK Lounge am dritten November in Wien diskutierten Fachleute, wie Österreichs Papier- und Kartonverarbeiter wettbewerbsfähig bleiben, um den Anschluss an andere Märkte nicht zu verpassen. Einfach wird es offensichtlich nicht, angesichts des über viele Jahre aufgebauten „sich nicht ändern wollen“ Verhaltens in Österreich.

So lautete das Motto der fünften PROPAK Lounge: Collapse oder Comeback? Österreichs Wettbewerbsfähigkeit auf dem Prüfstand.“ Zwei Studien beleuchteten die Wettbewerbsposition der Branche und ihre volkswirtschaftliche Bedeutung. (Noch) PROPAK-Obmann Marko Bill Schuster skizzierte die Lage: 2025 sank der Produktionswert um drei Prozent auf rund 2,2 Milliarden Euro. Trotz leichter Belebung im ersten Halbjahr 2026 liegt die Produktion weiterhin auf dem Niveau von 2017. Bei rund 80 Prozent Exportquote wiegen die schwache Nachfrage im Ausland und hohe Standortkosten schwer. Schuster verwies zugleich auf Innovationskraft und die Chancen von Papier und Karton in der Kreislaufwirtschaft: „Mit dieser Stärke arbeiten wir, und durch diese Stärke können wir uns noch immer durchsetzen im Ausland.“ Er forderte weniger Verwaltungsaufwand: „Alles, was Bürokratie bedeutet, macht uns nicht wettbewerbsfähiger.“
EcoAustria: Wettbewerbsvorteile gezielt nutzen
Monika Köppl-Turyna, Direktorin von EcoAustria, präsentierte eine ernüchternde Bilanz: In zwölf der 15 wichtigsten Exportmärkte verlor die PROPAK-Industrie zwischen 2017 und 2024 Marktanteile. In Deutschland sank der österreichische Anteil an den Importen der untersuchten PROPAK-Produkte von zehn auf acht Prozent. Polen steigerte seinen Anteil dagegen von 13 auf 21 Prozent. Die Lohnstückkosten stiegen in Österreich seit 2015 um rund 40 Prozent, deutlich stärker als im Euroraum. Dazu kommen schwache Nachfrage und geringe Produktivitätszuwächse. Doch die Analyse zeigt auch Chancen: Bei Hygiene- und Haushaltswaren sowie spezialisierten Verpackungslösungen bestehen weiterhin Wettbewerbsvorteile. Köppl-Turyna empfahl, diese Stärken auszubauen, Exportmärkte stärker zu diversifizieren und in Digitalisierung, Fachkräfte und Produktivität zu investieren. Polen sei nicht nur Konkurrent, sondern mit modernen Anlagen und guter Ausbildung auch ein Vorbild.
IWI: Große Wirkung für die gesamte Wirtschaft
Herwig W. Schneider, Geschäftsführer des Industriewissenschaftlichen Instituts (IWI), machte die Bedeutung der Branche mit Zahlen sichtbar. Aus rund 2,24 Milliarden Euro direktem Produktionswert ergeben sich über Zulieferketten, Konsum und Investitionen gesamtwirtschaftlich rund 4,54 Milliarden Euro. Die direkte Wertschöpfung beträgt 718 Millionen Euro. Jeder der rund 8.400 Arbeitsplätze sichert rechnerisch zwei weitere außerhalb der Branche. Die gesamtwirtschaftlichen Effekte bringen rund 670 Millionen Euro an Steuern und Abgaben. Schneider betonte, dass die Papier- und Kartonverarbeitung wichtige Impulse für zahlreiche andere Wirtschaftsbereiche liefert.
© com_unit/Hörmandinger