Österreichs Wellpappe-Industrie: Mehr produziert, weniger Umsatz

Veröffentlicht am: 03.09.2020

Die österreichische Wellpappe-Industrie hat im ersten Halbjahr 2020 insgesamt 520,6 Millionen Quadratmeter Wellpappe abgesetzt. Das ist ein Plus von 1,1 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2019. Der Umsatz lag bei 276,7 Millionen Euro, das ist ein Minus von 6,3 Prozent.

Der Umsatzrückgang wird auf unsere Anfrage damit begründet, dass sich während der Corona-Krise der Produktmix verändert hat. So kam es zu Rückgängen bei hochwertigen Transportverpackungen, etwa für Industriegüter. Und das hat sich auf die Erlöse ausgewirkt. Dennoch: ohne Wellpappe läuft de facto heute beinahe nichts in der Lieferkette. Über zwei Drittel aller in Österreich hergestellten Waren werden in Wellpappe verpackt. „Während des Corona-Lockdown waren unsere Mitgliedsunternehmen mit kurzfristigen Auftragsspitzen konfrontiert, vor allem im Lebensmittel- und im Online-Handel“, berichtet Stephan Kaar, Sprecher des Forum Wellpappe Austria. „Trotz strengster Hygiene- und Sicherheitsauflagen konnte die heimische Wellpappe-Industrie – dank ihrer enormen Flexibilität – den erhöhten Bedarf sehr gut bewältigen.“ Einbrüche hingegen verzeichnete die Wellpappe-Branche in der Industriegüter-Produktion, etwa bei den Automobilzulieferern.
Für das zweite Halbjahr zeigt sich Stephan Kaar vorsichtig optimistisch: „Wellpappe-Verpackungen tragen maßgeblich dazu bei, dass die Lieferketten funktionieren. Und auch Pläne der Unternehmen in Richtung Nachhaltigkeit sind durch die Corona-Krise nicht obsolet geworden.“
Weniger Plastikverpackungen – dieses Ziel verfolgen derzeit fast alle Konsumgüter- und Handelsunternehmen im Rahmen ihrer Nachhaltigkeitsstrategien. „Einer Studie der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM) zufolge ließen sich 21 Prozent aller derzeitigen Plastikverpackungen durch Lösungen aus Wellpappe ersetzen“, zitiert Stephan Kaar die Autoren der GVM-Studie. Bei Verpackungen für Obst und Gemüse liegt das Einsparpotenzial sogar bei 64 Prozent. „Wer sich für Verpackungen aus Wellpappe entscheidet, schont die Ressourcen unserer Erde, ist bei Konsumenten gefragt und leistet einen wichtigen Beitrag für den Klimaschutz“, so Kaar.
Deshalb startete die heimische Wellpappe-Industrie unter dem Motto „Bye, bye Plastic – Hello Wellpappe“ (www.wellpappe.at/wellpappe-lehrlingskampagne) eine neue Lehrlingskampagne in den sozialen Kanälen, um Jugendliche für die Branche zu gewinnen. „Mit dieser Kampagne gehen wir neue Wege: Die Lehrlinge selbst werden zu Social Media-Influencern und werben für den nachhaltigen Werkstoff Wellpappe“, sagt Stephan Kaar. Einer von ihnen ist Sebastian. Er kommt aus der Steiermark und macht eine Lehre zum Verpackungstechniker: „In meinem Job trag‘ ich viel dazu bei, unsere Welt plastikfreier zu machen.“

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Kommentar

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